Intervention – Für die Interventionistische Linke

Nach dem Outcall des Verräters Dîlan S. bei der Interventionistische Linke – Bremen haben wir mehrere Monate vergeblich auf eine Auswertung und einen selbstkritischen Umgang der Interventionistische Linke gewartet. Diese Selbstkritik ist bisher nicht erfolgt, daher plädieren wir für eine Intervention von außen. Wir sind Menschen, die die IL seit ihrem bestehen kennen, aus Bündnissen, von Demonstrationen (Orga), Kampagnen und privaten Begegnungen abseits davon. Wir werden in dem Beitrag nur Informationen verwenden, die bereits öffentlich sind, obwohl es noch wesentlich mehr zu kritisieren und zu sagen gäbe. Abläufe innerhalb der IL als bundesweite Struktur sind uns bekannt, daher unterscheiden wir zum Abschluss auch nicht mehr zwischen einzelnen Ortsgruppen und der gesamten Interventionistische Linke (IL).

Anfang Januar 2026 wird Dîlan S. als Spitzel des Verfassungsschutz enttarnt, die IL schreibt dazu (1):

„…Damit ist das eine der längsten und intensivsten Bespitzelungen, die in den letzten Jahrzehnten in der BRD aufgedeckt wurden… Er erzählte, dass er alle zwei bis vier Wochen in oft mehrstündigen Gesprächen mit dem Verfassungsschutz gesprochen hat. Diese Gespräche haben meistens außerhalb Bremens stattgefunden und ihr Ziel war es, Informationen über Personen, Strukturen und Aktionen an den VS weiterzugeben. Laut seiner Aussage war die Interventionistische Linke Bremen der primäre Fokus, aber es wurden auch andere Teile der radikalen Linken aus Bremen und überregional von ihm bespitzelt.

Was in den Statement der „IL Bremen und die gesamte Interventionistische Linke“ (damit ist der Outcall unterschrieben) fehlt, ist ein selbstkritischer Umgang mit der Bespitzelung, sowie ein Ausblick, ob sich damit was innerhalb der IL verändern wird. Sicherlich stand die IL und die Ortsgruppe Bremen erstmal unter schock und bemühte sich um Schadensbegrenzung, doch auch Monate später ist weder intern noch öffentlich aus Richtung der IL an andere linke Strukturen zu vernehmen, welche Folgen und Schlüsse daraus gezogen wurden.

Während andere linksradikale Gruppen und Zusammenhänge nach einem jahrelangen Spitzel in den eigenen Reihen sich erstmal zurück ziehen würden, sowie das Geschehen für sich und die linke Szene aufarbeiten müssten, macht die Interventionistische Linke nahezu unbekümmert weiter als sei nichts gewesen. Mehr noch, die IL erklärt das Auffliegen des Spitzels als eine Art „Zufall“ und verschweigt, dass es eine Mitwisserin gab, die den Verräter jahrelang deckte, selbst persönlich vom Spitzel profitierte und durch ihn somit selbst zur Zuträgerin für den VS wurde. Auch dazu schweigt sich die IL bisher aus.

 

Chronologie eines strukturellen Versagens – ein Spitzel fliegt auf, während der nächste Mitglied wird

In einer Erwiderung auf den „Callout“ der Mitwisserin vom Spitzel Dîlan S. können wir uns im wesentlichen auf die wenigen Worte des „Strukturversagen rund um die Aufarbeitung“ mit den Autor*innen der Erwiderung einigen (2). Denn in jenem Jahr als Dîlan S. ordentliches Mitglied der IL – Bremen wurde, flog ein weiterer Spitzel in der IL in der gleichen Region auf.

 

Bremen: „Im Herbst 2017 ist Dîlan bei einem offenen Treffen für Klimapolitik an der Universität Bremen zum ersten Mal mit uns in Kontakt getreten. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits für den VS gearbeitet. 2018 wurde er zu einem Teil unserer IL-Ortsgruppe in Bremen. Er war über die Zeit in allen unseren politischen Bereichen aktiv, machte mit uns Klimapolitik, war Teil unserer antifaschistischen Aktionen und antimilitaristischen Kampagnen. Er fuhr auf überregionale Treffen und engagierte sich gleichzeitig auch in anderen politischen Gruppen in Bremen.“

Am 13. November 2018 wurde in der Göttinger Gruppe Basisdemokratische Linke (IL) der V-Mann Gerrit Greimann des Niedersächsischen Verfassungsschutzes enttarnt (3):

Göttingen: Über einen öffentlichen Einstiegsabend kam er schließlich im November 2016 zur Basisdemokratischen Linken. Hier beschäftigte er sich zunächst mit dem Thema Antifaschismus, ab Anfang 2018 dann mit Politik an der Hochschule. Aus der Gruppe heraus nahm er an antifaschistischen Gegenprotesten und auch überregionalen Treffen teil.

 

Ähnlich wie in Bremen, machte die Ortsgruppe in Göttingen öffentlich weiter wie gehabt, zum „V-Mann“ gab es lediglich einen Beitrag auf der eigenen Seite, dann folgte nichts mehr (4). Wer hofft, dass die VS-Spitzel wenigstens in der bundesweiten IL-Struktur aufgearbeitet wurden, wird enttäuscht sein, es findet sich nichts (5). Beide Spitzel sind über „offene Treffen“ zur IL gekommen, eine konkrete Überprüfung der neuen Mitglieder fand zu jener Zeit offensichtlich nicht statt. Was die IL dennoch nicht davon abhielt diese auf überregionale Treffen mit anderen zu schicken.

Eine bundesweite Struktur enttarnt einen V-Mann in ihren Reihen, ein weiterer wird problemlos in die nächste Ortsgruppe ein paar Kilometer weiter geschickt und die Mitwisserin, die von Anfang an darüber informiert ist und in der selben Ortsgruppe ist, schweigt sich 8 Jahre darüber aus. Von Seiten der IL wird das Verhalten der Mitwisserin verharmlost, mehr noch, ihr wurde das Mandat gegeben selbst über ihre Rolle zu informieren, dem sie natürlich nicht nach gekommen ist, auch nicht die IL.

Wir haben in den vergangenen Jahren nicht den Eindruck gewonnen, dass die IL aus den aufgeflogenen Spitzeln grundsätzlich was an ihren Strukturen verändert hat, die Vorfälle angemessen aufarbeitet, noch andere Strukturen und Personen informiert oder gar schützt. Wir haben das Vertrauen in die IL als Struktur verloren.

 

Intervention – Für die Interventionistische Linke

Wir denken ohne eine Intervention von ausserhalb gegenüber der Interventionistischen Linken als gesamte Struktur und entsprechende Konsequenzen, wird sich nichts verändern. Denn auch Kritiken innerhalb der IL oder mit entsprechenden Ortsgruppen in den vergangenen Jahren, wurden meistens ausgeschwiegen/gesessen (6).

Wir plädieren dafür, bis eine ernstzunehmende Auseinandersetzung innerhalb der IL statt gefunden hat, jegliche Kooperation mit der IL als bundesweite Struktur, sowie den Ortsgruppen, zu beenden.

Keine gemeinsamen Bündnisse, Kampagnen, Veranstaltungen, Demonstration oder Treffen mit der IL / Ortsgruppen mehr ohne Aufarbeitung der „längsten und intensivsten Bespitzelungen… der letzten Jahrzehnten in der BRD“ in einer linken Struktur und der eigenen Rolle dabei.

Für eine vertrauensbasierte politische Zusammenarbeit mit der IL und ihren Ortsgruppen sehen wir aktuell keine Grundlage mehr.

Ohne (selbst)kritische Aufarbeitung der IL, wird es keine gemeinsame Basis mehr geben.

 


 

 

(1) https://de.indymedia.org/node/623564

(2) https://tumulte.org/2026/02/articles/erwiderung-callout-der-person-die-den-bremer-verrat-jahrelang-gedeckt-hat/

(3) Presse zu diesem V-Mann in der IL:

https://jungle.world/artikel/2018/47/genosse-v-mann

https://taz.de/Goettinger-Antifaszene/!5547198/

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1105578.geheimdienst-spitzel-verfassungsschutz-enttarnte-v-mann-unfreiwillig-selbst.html

https://rdl.de/beitrag/mitglied-der-basisdemokratischen-linken-war-vertrauensperson-des-verfassungsschutzes

https://www.spiegel.de/politik/g20-proteste-wie-das-leben-eines-v-manns-aus-den-fugen-geriet-a-00000000-0002-0001-0000-000161665845

https://www.vice.com/de/article/in-gottingen-wurde-ein-verfassungsschutz-spitzel-bei-linken-enttarnt/

(4) https://www.inventati.org/blgoe/posts/page/3/

(5) https://www.interventionistische-linke.org/tags/verfassungsschutz

 

(6) Die Kritiken und Versuche mit der IL in einen Austausch zu kommen, sind zahlreich (gescheitert):

Münster: Nichts bleibt, wie es war – 10 Jahre sind genug – https://ilmuenster.noblogs.org/?p=270

Köln: FLINTAS gegen IL – https://tumulte.org/2023/08/articles/aufruf-zum-ausschluss-der-interventionistische-linken-aus-allen-linksradikalen-strukturen/

Ende Legende – https://tumulte.org/2025/03/articles/ende-legende/

Berlin: »Die IL läuft Gefahr, Geschichte geworden zu sein« – https://de.indymedia.org/sites/default/files/2022/06/Tagung_IL_laeuft_Gefahr_2022.pdf

Die IL läuft Gefahr, Geschichte geworden zu sein – https://sunzibingfa.noblogs.org/post/2022/04/04/die-il-laeuft-gefahr-geschichte-geworden-zu-sein/

Heaven Can Wait – 1. Mai Berlin – https://lotzerswelt.noblogs.org/post/2026/04/11/heaven-can-wait-1-mai-berlin/

FÜR DAS LEBEN, GEGEN DEN TOD! KOSMOPOLITISCHE LINKE STATT ANTIZIONISTISCHE QUERFRONT – https://knack.news/7291

Leipzig: Auswertung #TagXAntifaOst – Demo – https://knack.news/6464

War das schon das Bild aus der Zukunft? Thesen im Rückblick auf das Protestspektakel vergangenen Montag in Leipzig und im Ausblick auf eine Eskalation des Heißen Herbstes – https://knack.news/3336

Antifa: “Gib mir irgendwas, das bleibt.” – Überlegungen und Reflexionen über die Notwendigkeit, Pogrome zu verhindern – https://www.inventati.org/leipzig/?p=4794

Prisma heißt jetzt „Twix“, – für euch ändert sich fast nichts… – https://knack.news/13324

bundesweit: Wo sind die Revolutionär *innen? – https://www.akweb.de/ausgaben/684/streit-in-der-interventionistischen-linken-wo-sind-die-revolutionaer-innen/

»Nationalstaaten auffällig unbesprochen« – Zimmerwald Komitee zum Zwischenstandspapier #2 der Interventionistischen Linken – https://emrawi.org/?Nationalstaaten-auffallig-unbesprochen-Zimmerwald-Komitee-zum-3669

5 Erkläransätze für das Scheitern der interventionistischen (Klima-)Bewegung – https://themakollektiv.noblogs.org/5-erklaeransaetze-fuer-das-scheitern-der-interventionistischen-klima-bewegung/

 

Quelle: https://de.indymedia.org/node/736232